Der Umfang der Wahlprograme nimmt stetig zu, die Themen werden umfangreicher und komplexer. Das umfangreichste Wahlprogramm hat sogar über 80.000 Wörter, es war das der Grünen aus dem Wahljahr 2013. Aber was steht tatsächlich in den Wahlprogrammen? Was sind Auffälligkeiten, welche Meinung zu einer Partei wird durch das Wahlprogramm bestätigt, welche widerlegt?

Eine Beantwortung dieser Fragen auf Basis eines intensiven Selbststudiums aller Wahlprogramme – bis zur Bundestagswahl am Sonntag nicht mehr zu schaffen. Die WortWahl-App übernimmt die Analyse der Parteiprogramme für die Wähler und gibt so Einblicke in die Parteiprogramme und erlaubt Rückschlüsse – über die Hauptthemen der Wahlplakate hinaus.

Was unterscheidet die Parteien voneinander?

Dies ist die zentrale Frage einer jeden Wahl. Um dieser Frage auf den Grund zu gehen analysiert die WortWahl-App die Wortwichtigkeit. Diese filtert aus den Programmen die Worte heraus, die bei anderen Parteien weniger häufig vorkommen.

Wir haben in alphabetischer Reihenfolge die Analyse für alle Parteien durchgeführt, die für die Bundestagswahl 2017 in der WortWahl-App verfügbar sind (Kriterien im „Vorgehen“ der WortWahl-App).

Die Analyse der AFD belegt das Bild einer Partei, die einschneidende Veränderungen fordert und das Handeln der aktuellen politischen Spitze ablehnt. Die WortWahl-App zeigt auch zentrale Begriffe aus inhaltlichen Schwerpunkten der Partei: Sicherheitsstrategie, Genderideologie und Massenzuwanderung.

eoda WortWahl-App: Analyse der Wortwichtigkeit
eoda WortWahl-App: Analyse der Wortwichtigkeit

Die CDU und CSU als Regierungsparteien berufen sich in Ihrem Wahlprogramm auf die Errungenschaften der vergangenen Legislaturperiode, prägen selbst den Begriff Wahlperiode und setzen auf die Argumente Sicherheit und Verlässlichkeit.

Die Analyse des Programmes der Grünen ergibt neben erwartbarer Begriffe wie ökologisch und Klimakrise auch Besonderheiten: Die Grünen setzen konsequent neben der männlichen, auch auf die weibliche Wortform. Dies ergibt mindestens für Wahlprogramme ungewohnte Begriffe wie Bürgerinnenversicherung und Bäuerinnen.  Ebenfalls markant: Die Begriffe Herzen, Kopf und Blick. Die Verwirrung löst sich, wenn man in das Wahlprogramm der Partei schaut. Die Grünen agieren mit den Überschriften „Umwelt im Kopf“, „Welt im Blick“ und „Freiheit im Herzen“.

Eine Analyse der Wortwichtigkeiten im Programm der Partei „Die Linke“ verdeutlicht politische Ausrichtung und Historie der Partei. Es lassen sich zentrale Forderungen der Partei wie die Mindestsicherung und das Streben nach Solidarität genauso erkennen, wie eine Fokussierung auf die Lebensbedingungen in Ostdeutschland.

Die Auswertung des Wahlprogramms der Partei „Die Partei“ unterstreicht den satirischen Hintergrund der Akteure. Zwischen BH-Größen und Bierpreisbremse findet sich ein bunter Mix an Kuriositäten.

Eine Partei, die sich für ernsthaftere Werte einsetzt sind „Die Piraten“. Das Hauptthema von den Piraten bleibt die digitale Welt. Überwachungssoftware, als Ergebnis der Wortwichtigkeitsanalyse ist da nicht überraschend. Allerdings kommt unter den ersten gelisteten Worten auch psychiatrisch vor. Dieses Wort wird vielfältig verwendet, ob psychiatrische Betreuung für Flüchtlinge, im Zusammenhang mit der Drogen- und Suchtpolitik oder für eine bessere psychiatrische Vorsorge.

Das Wort, das in der Analyse der Wortwichtigkeit der FDP hervorsticht ist weltbeste. Es kommt ganze 31 Mal im Wahlprogramm vor. Die FDP nutzt es im Zusammenhang mit Bildung und LerhrerInnen. Die WortWahl-App ermittelt als Besonderheit bei der FDP auch einen Zahlenwert: 0,00. Hintergrund: Die freien Demokraten haben ein Zahlenbeispiel zur Altersvorsorge in ihrem Programm.

Die Worte, die die SPD von den anderen Parteien abgrenzt sind eher positiv besetzt. Dies könnte daran liegen, dass sie ebenfalls ein Teil der aktuellen Regierungskoalition sind. Die SPD möchte unterstützen, stärken und ausbauen und setzt sich ein für die europäischen Belange.

Eine Übersicht über die Wörter, die die genannten Parteien voneinander unterscheiden finden Sie hier: Wortwichtigkeit 2017 aller Parteien.

Ein Blick in die Vergangenheit lohnt sich

Ebenfalls interessant ist eine Analyse der Wortwichtigkeit im Hinblick auf die historischen Wahlprogramme einer Partei seit 1949. Hierbei lassen sich sehr gut das Zeitgeschehen des jeweiligen Wahljahres, aber auch sich ändernde Begrifflichkeiten im Zeitverlauf herausfiltern.

Die Wortwichtigkeit ist nur eines von acht Analyseverfahren, der WortWahl-App. Testen Sie es selbst aus, erhalten Sie einen besonderen Einblick in die Wahlprogramme der Parteien und entdecken Sie die vielfältigen Möglichkeiten einer interaktiven Shiny-App.

Zur eoda WortWahl-App:
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